
Lavierte Zeichnung am Hafen von Altefähr auf Rügen
Ein windfrischer Tag im idyllischen kleinen Hafen von Altefähr an Rügens Südküste, ein ruhiger Platz am Kai – und direkt vor mir das Museumsschiff „Erna“ aus dem Jahr 1904. Während der Wind in den Masten stand und Möwen den Himmel kreuzten, entstand die Arbeit unmittelbar vor Ort: fester Zeichenkarton, der Fineliner für die lineare Struktur und der Wassertankpinsel zum Lavieren der Tusche. So hat mein Großvater lebenslang gezeichnet und es mir zur Grundschulzeit beigebracht. Wobei er damals ein Foto-Filmdöschen voller Wasser separat mitnehmen musste.
Das komplexe Geflecht der Takelage erforderte eine präzise Strichführung. Es ging darum, die wesentlichen Vektoren zu abstrahieren und über starke Hell-Dunkel-Kontraste Tiefe zu erzeugen – ein reizvoller Dialog zwischen grafischer Präzision und malerischer Lasur. Da ich nie selber segelte, kenne ich keinerlei Objekte oder Bestandteile der Takelage und male notgedrungen nur, was ich sehe, beim Museumsschiff waren die fasergen Taue eine schöne Herausforderung.
Der spätere Blick über den Strelasund bot schließlich eine markante Perspektive auf das Panorama der Stralsunder Altstadt und die Silhouette des gegenüberliegenden Hafens, auch wenn ich diese Sicht nicht noch zeichnete. Das Gegenüber von maritimer Kulisse, Backsteingotik und weiter Wasserfläche bildete eine stimmige Parallele zur vorherigen motivischen Arbeit – ein Tag, der in schöner Erinnerung bleibt.